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Doris Sprenger

Doris Sprenger

Doris Sprenger (* 24.07.1962) ist seit August 1993 Mitglied der Künstlergruppe Wilderers

Großformatige Gemälde sieht man von Doris Sprenger selten, aber wenn doch, ist die Farbe meist dick und pastos aufgetragen und kommt reliefartig aus dem Bild heraus. Diese Arbeitsweise trennt die Künstlerin allerdings ganz klar vom Schaffen ihrer bevorzugten, kleinformatigen arbeiten: Die „Mekki-Bilder“. Diese Bilder entstehen meistens auf Papier, auf das sie zuerst die „Mekkis“ zeichnet und das Bild anschließend mit Aquarellfarben bearbeitet, um den Hintergrund oder Effekte zu erschaffen.

Die sogenannten „Mekkis“ sind ein Stilmittel der Künstlerin. Dabei handelt es sich um simpel gezeichnete Figuren mit großen Köpfen. Das Gesicht und die Ohren sind die einzigen Details der geselligen kleinen Kerlchen. Sie alle sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, Variationen in Form und Größe einzelner Elemente wie Augen oder Ohren weisen jedoch jeden “Mekki“ als Individuum aus.

Die „Mekkis“ sind zuweilen sehr anpassungsfähig und schlüpfen für die Künstlerin in jede erdenkliche Rolle: Mit Schwänzen und Schnurrhaaren ausgestattet werden sie zu Tieren, mit Helmen zu Raumfahrern oder Tauchern, manchmal tragen sie Hüte um eine herrschaftliche Gesellschaft darzustellen, meistens jedoch erreichen sie den gewünschten Ausdruck auch ohne Kostüm. Es ist fast als spielten sie auf dem Papier Theater. Dabei bekommen sie kaum Requisiten gestellt. Häufig sieht man lediglich Konstrukte aus mit Linien verbundenen Kugeln.

Das eher kleine Format und die noch kleinere Darstellung der Figuren macht es einem erst auf den zweiten Blick bewusst: Mit großen, leeren Augen schauen die „Mekkis“ aus dem Bild heraus, als ob sie sich in ihrem Treiben vom Betrachter gestört fühlten und es darum unterbrechen würden, um den Eindringling zu mustern. Der Betrachter wird selbst zum Anschauungsobjekt.

Der starre Blick aus den weit aufgerissenen Augen kann einem das Gefühl geben bedrängt zu werden. Oder ist es eher eine peinliche Berührtheit, weil man unaufgefordert in die frohe Runde eingedrungen ist? Die „Mekkis“ wirken genauso erschrocken wie man selbst.

Der Effekt, den die weiten Augen auf den Betrachter haben können, erinnert an archaische Darstellungen der mythischen Medusa, deren versteinernder Blick mit überdimensional großen Augen nachempfunden wurde, um den Betrachter tatsächlich kurz „bannen“ zu können. Obgleich man von Medusas Bosheit weiß, weiß man jedoch nichts über die Charakterzüge oder Absichten der „Mekkis“.

In beiden Fällen findet man sich jedoch in die Situation einer ungewollten Konfrontation versetzt: Eigentlich wollte man nur eine Beobachterposition einnehmen, tatsächlich wird man jedoch aus der Passivität enthoben. Man könnte sich auch von den „Mekkis“ aufgefordert fühlen, sich selbst zu präsentieren. Immerhin sind sie in der Überzahl …

Benjamin Westphalen, Kunsthistoriker

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