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Ein Zuhause für das zweite Leben

Ein Zuhause für das zweite Leben

Neues Wohn- und Beschäftigungsangebot für Menschen mit erworbener Hirnschädigung in Sorsum eingeweiht

Hildesheim-Sorsum. Insgesamt vier Jahre lang waren verschiedene Reha-Kliniken das Zuhause von Jan Meiers. Nun hat er ein neues Zuhause in Sorsum gefunden. Mit dreizehn Jahren hatte er mit seinem Mountainbike einen schweren Unfall und erlitt dabei eine Hirnschädigung. Wie andere junge Männer einfach in eine eigene Wohnung zu ziehen, kommt für ihn nicht in Frage. Nun lebt er im neuen Haus "Am Klosterhof" der Diakonie Himmelsthür.

Am Freitag feierte das Wohnhaus mit angeschlossener Tagesförderung seine offizielle Einweihung. Insgesamt 20 Menschen können hier leben. Auch die Tagesförderung bietet 20 Plätze. Das Besondere des neuen Angebots: Es richtet sich ausdrücklich an Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen, die durch einen Unfall, einen Schlaganfall oder Krankheit in ihren körperlichen und kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt sind.

Jan Meiers ist schon Anfang Mai hier eingezogen. Er und zwölf weitere Menschen wohnen seitdem in Appartements mit eigenem Bad und Küchenzeile. Meiers und viele andere BewohnerInnen haben hier zum ersten Mal so etwas wie eine eigene Wohnung gefunden, andere konnten ein Stück ihrer alten Selbstständigkeit wiederbekommen. Besonders für Menschen, die nicht von Geburt an mit einer Behinderung leben, sei dies ein wichtiger Schritt, erklärt Horst Müller, Fachbereichsleiter Wohnen bei der Diakonie Himmelsthür. "Für die Menschen beginnt mit dem Unfall oder der Krankheit ein zweites Leben." Viele würden dann in Pflegeheimen leben, in denen sie zwar gut versorgt würden, aber zu wenig Abwechslung und Aufgaben hätten.

Für die Menschen im Haus "Am Klosterhof" soll das ganz anders werden. In den eigenen Appartements können sie so selbstständig leben, wie es ihnen möglich ist. Wer nicht in einer Werkstatt arbeitet, kann die ebenfalls neu errichtete Tagesförderstätte Hofscheune direkt nebenan besuchen. Dort werden zum Beispiel hauswirtschaftliche Tätigkeiten geübt, um die Selbstständigkeit der BewohnerInnen zu fördern. Es gibt aber auch Computerarbeitsplätze, an denen die Beschäftigten arbeiten und ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren können. "Eine sinnstiftende Arbeit ist sehr wichtig", erklärt Beate Gronau, Fachbereichsleiterin Arbeit bei der Diakonie Himmelsthür. "Viele Menschen haben durch ihr früheres Leben hohe Erwartungen an sich, die sie nicht immer erfüllen können." Darum gebe es für alle BewohnerInnen auch eine enge psychologische Betreuung.

Ein solches Angebot, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit erworbener Hirnschädigung zugeschnitten ist, ist bisher keine Selbstverständlichkeit und für ganz Niedersachsen ein Modellprojekt. Viele der neuen BewohnerInnen haben vorher in anderen Häusern für Menschen mit Behinderung gelebt und auf so ein Angebot gewartet. "Es gibt in Deutschland viel zu wenige solcher Einrichtungen", findet auch Oberbürgermeister Ingo Meyer, der die Häuser zur Einweihungsfeier besichtigte. "Wenn wir in Hildesheim ein solches Leuchtturmprojekt haben, ist das eine Bereicherung für die Stadt und die Region."

Auch Pastor Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür betont die Wichtigkeit des Angebotes: "Das hier fällt nicht in die Kategorie 'nice to have'. Es geht um ganz existentielle Bedürfnisse." Es könne jederzeit passieren, dass das eigene Leben durch Unfall oder Krankheit aus den Angeln gehoben würde. An einem solchen Ort könnten Menschen wieder nach vorne blicken.

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