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Eine Werkstatt als Ort der Begegnung

Eine Werkstatt als Ort der Begegnung

Projekt Gast.Haus der Herberge zur Heimat feiert seinen Abschluss / Mitmach.Werkstatt soll in Zukunft für die Nachbarschaft öffnen

Hildesheim. Vor einiger Zeit sei er einfach „abgerutscht“, erzählt Daniel Satzky. Er konnte die Miete seiner Wohnung in Hannover nicht mehr bezahlen, wurde obdachlos. Bei einer Freundin konnte er nur für kurze Zeit bleiben. Dann erfuhr er durch die ambulante Wohnungslosenhilfe von der Herberge zur Heimat in Hildesheim und fand dort ein Zuhause auf Zeit. In der Gartenstraße und in der Drispenstedter Straße bietet die Herberge zur Heimat, eine Unternehmenstochter der Diakonie Himmelsthür, insgesamt 29 Zimmer an. Seit einem Jahr wohnt Satzky nun wieder in einer eigenen Wohnung. Zur Abschlussfeier des Projektes Gast.Haus ist er aber wieder zurückgekommen. Schließlich hat er, wie viele andere Bewohner, bei dem großen Umbau-Projekt mit angepackt.

2015 bekam Daniela Knoop, Geschäftsführerin der Herberge zur Heimat, einen Brief vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Herberge zur Heimat hatte sich bei einer Projektausschreibung der Nationalen Stadtentwicklungspolitik zum Thema Quartiersentwicklung beworben. Das Projekt Gast.Haus konnte überzeugen und setzte sich mit 13 weiteren Projektideen gegen über 240 Mitbewerber durch. „Als ich die Zusage gelesen habe, habe ich mich erst einmal erschrocken“, erinnert sich Knoop heute mit einem Lachen. „Ich wusste, dass da viel Arbeit auf uns zukommt.“ Trotzdem sei das Projekt „einfach großartig“ gelaufen. 100.000 Euro erhielt die Herberge zur Heimat für die Idee, ihr Haus im Rahmen eines Umbau-Projekts für die Nachbarschaft zu öffnen. Noch einmal so viel investierte das Unternehmen selbst in das Projekt Gast.Haus.

Zunächst standen die Mitarbeitenden vor der Herausforderung, die Nachbarschaft für die Idee zu begeistern. Bei einem Tag der offenen Tür stellten sie das Projekt vor.
Einer der damaligen Besucher ist Ingo Lübben. Er wohnt ganz in der Nähe der Herberge zur Heimat. „Dieses alte Gebäude ist mir schon vorher aufgefallen und hat mich fasziniert“, erinnert er sich. „Ich habe mich schon lange gefragt, was sich wohl dahinter verbirgt.“ So brachte ihn seine Neugier zum Tag der offenen Tür. „Als ich dann gehört habe, dass es was zu tun gibt, bin ich wiedergekommen.“

Er besuchte regelmäßig die sogenannten Baumeisterfrühstücke, die trotz ihres Namens um 17 Uhr stattfanden. Bewohner, Mitarbeiter und Nachbarn tauschten bei diesen Treffen Ideen aus und planten, mit der Unterstützung des Büros für soziale Architektur alberts.architekten aus Bielefeld-Sennestadt, die Umbaumaßnahmen. Und auch als es schließlich an die praktischen Arbeiten ging, war Lübben dabei. Als Berufsschullehrer, der Zimmerer ausbildet, brachte er nicht nur sein Know-How, sondern auch seine Schüler mit in die Herberge zur Heimat. An zwei Tagen bauten sie eine hölzerne Trennwand, die einen neuen Werkstattraum begrenzt.

Für seine Schüler könnte das Haus in Zukunft noch interessanter werden: Gegründet wurde die Herberge zur Heimat nämlich einst, um Wandergesellen eine günstige Unterkunft zu bieten. „Wir wollten ein wenig zurück zu unserer Tradition“, erklärt Daniela Knoop. So entstanden beim Umbau drei neue Schlafkojen, in denen Wandergesellen in Zukunft kostenlos übernachten können. Auch Wohnungslose, die erkranken und für kurze Zeit eine Schlafmöglichkeit brauchen, dürfen die Kojen benutzen.

Nebenbei standen viele Verschönerungsmaßnahmen auf dem Programm. Badezimmer wurden renoviert, der Hausflur wurde gestrichen und bekam eine neue Eingangstür. Der Wein, der den Hinterhof überwucherte wurde entfernt, und neue Bänke mit Pflanzkästen gezimmert. „Wir haben unseren Bewohnern viel zu verdanken“, erklärt Knoop. Viele hätten eine handwerkliche Ausbildung und mitgeholfen, wo sie nur konnten.

Auch bei der zweiten großen Baustelle des Projektes, der Erweiterung der Werkstatt, waren viele helfende Hände gefragt. In den Gesprächen mit der Nachbarschaft stellte sich heraus, dass viele Menschen in den umliegenden Mietwohnungen eine Möglichkeit zum Werkeln und für Reparaturarbeiten vermissen. Gemeinsam wurde die bestehende kleine Werkstatt des Hauses vergrößert. In Zukunft soll die Mitmach.Werkstatt am Samstag für die Menschen der Nachbarschaft öffnen. Außerdem werden zwei Bewohner des Hauses einmal in der Woche die Fahrradwerkstatt öffnen und Besucher kostenlos bei Reparaturen unterstützen. Trotzdem werden noch weitere ehrenamtliche Helfer gesucht, die ihr handwerkliches Können weitergeben möchten.

Pastor Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür, nutzte das Abschlussfest, um sich die Umbauten anzuschauen; und lobte das Projekt. „Die Herberge zur Heimat ist genau das geworden, was man sich wünscht: ein Ort, der soziale Begegnungen ermöglicht.“

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