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26.09.2011

Mit Motivation und Leistung auf den ersten Arbeitsmarkt

Christina Bodewes hat ihre Prüfung mit Eins bestanden. Hier gibt sie mit einer Handbewegung der Maschine den Befehl, den roten Pulli auf dem Bügel abzutransportieren.

Betriebsinterne Ausbildung verhilft Menschen mit Behinderung zum Wechsel in die Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür

Hildesheim-Sorsum. Das Projekt hat landesweiten Vorbildcharakter: Die proWerkstätten Himmelsthür und die Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür haben einen betriebsinternen Ausbildungsgang eingerichtet, um Menschen mit Behinderungen den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Jetzt haben die ersten vier Beschäftigten ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Für die Vier ist dies ein wichtiger Schritt zu beruflicher Selbstständigkeit und Integration. „Wunderbar“ und „sehr stolz“, fühlten sie sich nach bestandener Prüfung. Und Johann Liegl, Geschäftsführer der Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür, sprach allen vier Prüflingen bei der Zeugnisübergabe seine Hochachtung aus. „Ich finde es unheimlich gut, dass wir das zusammen hingekriegt haben“, sagte auch Jörg Plehn, Geschäftsführer der proWerkstätten.

Wolfgang Klapproth und Christina Bodewes sorgen dafür, dass die saubere Bewohnerwäsche wieder beim richtigen Adressaten landet. Dazu trägt jedes Kleidungsstück einen Code, dessen Informationen in den Bügel eingelesen werden können. Der 47-jährige Wolfgang Klapproth war aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau der proWerkstätten in die Wäscherei gewechselt, seine Kolleginnen Christina Bodewes, Manuela Müller und Janine Mill, alle 20 Jahre alt, waren nach dem Besuch der Förderschule im Bockfeld durch ein Praktikum in die Wäscherei gekommen. Christina Bodewes hat die Prüfung sogar mit einer Eins abgeschlossen: „Das hätte ich nie gedacht, dass ich so eine gute Note bekomme, nachdem ich an dem Tag so aufgeregt war“, sagte sie.

Schon seit Jahren gibt es eine Kooperation der proWerkstätten und der Gemeinschaftswäscherei, die beide Tochtergesellschaften der Diakonie Himmelsthür sind: Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen werden seither in der Gemeinschaftswäscherei auf ausgelagerten Arbeitsplätzen eingesetzt. Hierbei zeigte sich, dass einige Mitarbeiter viel Motivation und Leistungsfähigkeit mitbringen, um sich fortzubilden. Die beiden Unternehmen bildeten 2009 ein Team und entwickelten die betriebsinterne Ausbildung zur Wäschereihilfskraft.

Janine Mill lässt den Code in dem Kleidungsstück in einen Chip im Bügel einlesen. So findet jedes Teil am Ende wieder seinen Besitzer. Die Anforderungen dafür liegen unterhalb der Ausbildungsberufe der Industrie- und Handwerkskammer. Sie sind einerseits auf die Anforderungen des Arbeitsplatzes abgestimmt, andererseits auf die Möglichkeiten der Mitarbeitenden. Es wurden fachliche und theoretische Kenntnisse vermittelt, die Wäschereihelfer/innen können Maschinen wie Mangel, Rapidlader, Handtuchlegemaschine oder Dämpfpuppe bedienen und arbeiten kundenorientiert. Ihre zukünftigen Tätigkeiten wurden auch bisher von Mitarbeitenden des ersten Arbeitsmarktes erledigt.

Dass die neuen Kollegen sich im normalen Schichtbetrieb behaupten können, haben sie während eines mehrwöchigen Probelaufs schon bewiesen. Statt sich über den Arbeitsbeginn um 5.15 Uhr in der Frühschicht zu beklagen, wollten sie gar nicht mehr aus ihrer Schicht in die proWerkstätten-Gruppe zurück, berichtet Gruppenleiter Dirk König stolz. Er hat die Auszubildenden zusammen mit Textilreinigerin Claudia Genath und Textilreinigermeister Thorsten Wirries während der zweijährigen Ausbildung betreut.

Die ersten vier Auszubildenden haben die Prüfung zur betriebsinternen Wäschereihilfskraft geschafft und freuen sich mit ihren Ausbildern. Die Gemeinschaftswäscherei ist ein Integrationsunternehmen – von den 300 Mitarbeitenden sind etwa 130 Menschen mit Behinderung. Die Wäscherei reinigt an jedem Arbeitstag 40 000 Kilogramm Wäsche für 30 Krankenhäuser und einhundert Wohn- oder Pflegeheime. Das Unternehmen betreibt die weltweit erste vollautomatische Sortieranlage für Bewohnerwäsche und ist auf diesem Arbeitsgebiet Marktführer in Niedersachsen.

Nach Angaben von Geschäftsführer Johann Liegl ziehen Menschen mit Behinderung sogar aus anderen Regionen nach Hildesheim, um in der Wäscherei einen Arbeitsplatz zu finden, da es viel zu wenige solcher Integrationsunternehmen gebe. Die Gemeinschaftswäscherei allein biete die Hälfte aller Integrationsarbeitsplätze Niedersachsens an. Die beiden Unternehmen wollen den nächsten Ausbildungsdurchgang im kommenden Sommer beginnen. Interessierte und geeignete Kandidaten sind schon gefunden.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation (wib)


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