
Die Luise-Scheppler-Schule beteiligt sich am niedersächsischen Modellprojekt „Erweiterte Eigenverantwortung in Schulen und Qualitätsvergleiche in Netzwerken“ / Kostenloser Download des Methoden-Readers
Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung lernen nach ihren eigenen Regeln. Ein für alle verbindliches Curriculum gibt es nicht; Vergleichsarbeiten, die inzwischen schon in der Grundschule geschrieben werden, wären unmöglich. Jeder Schüler braucht einen individuellen Lehrplan. „Pisa piesackt uns nicht“, sagt daher Hanna Geyer, die Leiterin der Luise-Scheppler-Förderschule in der Diakonie Himmelsthür. Für die 58-jährige Pädagogin ist die Sonderstellung allerdings kein Ruhekissen, sondern Anlass, die eigene Arbeit konstant auf den Prüfstand zu stellen. Dabei helfen das Modellprojekt „Eigenverantwortliche Schule“ und die Selbstevaluation SEIS.
Per Erlass zum 1. August 2007 sind heute alle Schulen „eigenverantwortlich“. Sie müssen unter anderem ein Schulprogramm schreiben, ein Qualitätsmanagement einführen, ihre Organisationsform festlegen – lauter Dinge, die früher vom Kultusminister als oberstem Dienstherrn vorgegeben wurden. Für die Luise-Scheppler-Schule ist das nichts Neues, so Hanna Geyer: „Als Schule in freier Trägerschaft waren wir schon immer eigenverantwortlich.“ Trotzdem meldete sie sich, um beim 2005 gestarteten Modellprojekt „Eigenverantwortliche Schule“ der Landesregierung dabei zu sein.
„Sich öffnen und mitbekommen: Was machen die anderen?“, nennt die stellvertretende Schulleiterin Ulrike von Hoeren zwei wichtige Gründe für die Teilnahme. Wichtig sei auch die Suche nach neuen Kontakten gewesen, die allerdings nicht im erhofften Maße entstanden: „Im regionalen Netzwerk sind wir die einzige Förderschule.“ Dafür sei das Projekt aber eine gute Gelegenheit, Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zu machen.
Was nicht bedeutet, dass schon alles optimal läuft. Die Scheppler-Schule habe das Projekt vor allem genutzt, um ihr Qualitätsmanagement weiterzuentwickeln, berichtet Hanna Geyer. Ein gutes Hilfsmittel sei das SEIS-Instrumentarium der Bertelsmann-Stiftung, das auf den Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen abgestimmt ist. SEIS beziehungsweise „Selbstevaluation in der Schule“ ist die Überschrift eines Katalogs von 280 Fragen zu Qualitätsmerkmalen, den Lehrer, Schüler und Eltern jedes Schuljahr beantworten.
Die Auswertung der Bertelsmann-Stiftung, die gerade für das Schuljahr 07/08 ins Haus steht, ist jeweils eine 125-seitige Dokumentation. Das Scheppler-Kollegium hat sich in ganz Niedersachsen einen Namen gemacht für seine Methode, die SEIS-Ergebnisse zu komprimieren und übersichtlich darzustellen. Vom täglichen Unterricht ist es ja darin geschult, komplexe Zusammenhänge einfach und plastisch zu vermitteln. Bei SEIS zeigt nun eine farbige Excel-Tabelle auf den ersten Blick, bei welchen Themen alles im grünen Bereich ist, wo es Verbesserungsmöglichkeiten (gelb) und Mankos (rot) gibt. Das System wurde mittlerweile von Schulentwicklungsberatern der Landesschulbehörde übernommen und auf den Namen „Ampelcheck“ getauft.
In der Scheppler-Schule hat der Check die wichtigsten Baustellen geklärt. Elternarbeit und die Beziehungen der Schule nach außen gehören dazu. Topthema ist aber die Methodenvielfalt im Unterricht. Lehrer, Therapeuten, Heil- und Sonderpädagogen verwenden, je nach individuellem Förderbedarf, eine große Palette methodischer Ansätze. Um Lehrern verschiedenster Fachrichtungen, Eltern und Erziehern den Überblick und Zugriff auf diese Methoden zu erleichtern, ist jetzt ein Reader mit dem Namen „Wege zum Lernen“ erstellt worden. Der Reader steht unten unter Downloads als PDF zur Verfügung
Text und Foto: Ralf Neite
| Wege_zum_Lernen | 1 MB | Broschüre "Wege zum Lernen" |