
Angehende Erzieher der Herman-Nohl-Schule musizieren mit geistig behinderten Kindern der Luise-Scheppler-Schule
Kevin ist ein Showtalent. Er singt, tanzt, wackelt mit den Hüften, die Begeisterung für die Musik ist ihm deutlich anzusehen. Wenn er seine Mitschüler auf der Gitarre begleitet, trifft er nicht unbedingt immer die Töne, dafür spielt er aber schön laut, mit Hingabe und leuchtenden Augen.
Zusammen mit neuen anderen Kinder und Jugendlichen nimmt Kevin einem gemeinsamen Musikprojekt der Luise-Scheppler-Schule und der Herman-Nohl-Berufsschule teil. Auch zwei Mädchen in Rollstühlen sind dabei, sie werden beim Tanzen in ihren Rollis geschoben und genießen sichtlich die Musik. Fünf angehende Erzieher kommen seit den Herbstferien jede Woche nach Sorsum zur Luise-Scheppler-Schule, um mit den geistig behinderten Schülern zu singen und zu musizieren. Die Herman-Nohl-Schüler haben alle schon die zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten abgeschlossen und befinden sich im ersten Jahr der darauf aufbauenden Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin.
Für ihr Projekt mussten sie sich selbst eine Partner-Einrichtung suchen. Die Herman-Nohl-Schüler entschieden sich für die Luise-Scheppler-Schule in Trägerschaft der Diakonie Himmelsthür, obwohl sie noch keine Erfahrungen mit Kindern mit geistiger Behinderung hatten. Doch gerade hier, so hat ihre Fachlehrerin Margarita Fischer beobachtet, lernen sie besonders viel. Fischer und ihre Kollegin Ute Eggers begleiten das Projekt, setzen den zeitlichen Rahmen, besprechen die Ergebnisse – und geben den Berufsschülern am Ende auch Zensuren.
Von der Luise-Scheppler-Schule war Förderschullehrerin Anne-Kristin Engelke von Anfang an dabei. Schließlich mussten die zukünftigen Erzieher die Schüler der Förderschule erst kennenlernen. Inzwischen mischt die Musiklehrerin sich kaum noch ein. Die Gruppe bei der Stange zu halten, ist allerdings gar nicht so einfach, denn hier hat jeder seine besonderen Eigenheiten. Gleichbleibende Rituale wie ein Begrüßungslied am Anfang und ein Spiel am Ende der Stunde helfen dabei, Ruhe und Kontinuität in den Unterricht zu bringen.
Die elf- bis 20-jährigen Mädchen und Jungen haben sich gewünscht, das Lied „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ einzuüben. Der Gesang wird von selbstgebastelten Rasseln aus Blumentöpfen und Gitarren aus Schuhkartons untermalt. Außerdem sollen Gebärden das Lied begleiten. Das gibt Zuhörern Gelegenheit zum Mitmachen, für nächste Woche sind nämlich Aufführungen in der Luise-Scheppler- und in der Hermann-Nohl-Schule geplant. Die Aussicht auf einen Auftritt vor den Mitschülern macht die Kinder und Jugendlichen sehr stolz und bedeutet einen besonderen Anreiz. Die Mahnung „Denk dran, nächste Woche ist die Aufführung“, bringt Kevin jedenfalls sofort auf seinen Platz für die Probe zurück.
Text und Fotos: Kultur & Kommunikation