
Musikklasse des Andreanums zu Gast in der Luise-Scheppler-Schule
Die Elisabeth-Kirche der Diakonie Himmelsthür war bis auf den letzten Platz mit erwartungsvollen Schülern der Luise-Scheppler-Schule besetzt. Jede Woche feiern sie hier eine Andacht, doch diese war eine besondere: Die Klasse 7M des Gymnasiums Andreanum war zu Gast und gestaltete die Andacht mit Musik, Textlesungen und szenischen Einlagen
Die Siebtklässler des Andreanums hatten sich im Musik- und Religionsunterricht mit ihrer Klassenlehrerin Kerstin Dohmen und dem Musiklehrer Paul Martin Schencke viele Wochen lang vorbereitet. Es ging um die Geschichte von Jakob, der sich nach einem Streit mit seinem Bruder selbst nicht mehr leiden kann. Doch als er im Traum erkennt, dass Gott ihn mit all seinen Schwächen liebt, kann er sich auch selbst wieder annehmen.
Die Schüler bereiteten das Thema mit einer kurzen szenischen Darstellung auf, untermalt mit passend ausgewählten Liedern und Instrumentalstücken. „Das sind Instrumente, die wir sonst hier nicht haben“, freute sich Ulrike von Hoeren, Konrektorin der Luise-Scheppler-Schule, über das Schülerorchester. Die geistig behinderten Schüler spendeten nach jedem Stück reichlich und begeistert Applaus.
Nach der Andacht luden die Luise-Scheppler-Schulleiterinnen Hanna Geyer und Ulrike von Hoeren die Musikklasse des Andreanums ins Lehrerzimmer ein, um bei einem Snack von der Arbeit in der Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung zu erzählten. Ein Film über den Unterricht in der Luise-Scheppler-Schule machte die Besucher neugierig. Sie zogen Vergleiche zu ihrem eigenen Alltag: Wie kann ein gemeinsamer Unterricht mit so unterschiedlich schwer behinderten Schülern funktionieren? Wie sieht Sportunterricht mit Rollstuhlfahrern aus? Helfen die Kinder sich gegenseitig?
Die Gäste horchten auf, als sie erfuhren, dass in der Luise-Scheppler-Schule eine Klasse nur sieben Schüler hat, die oft von einem zwei- bis dreiköpfigen Team betreut werden. Es sei viel Einfallsreichtum nötig, um jedem Schüler eine individuelle, optimale Unterstützung und Förderung zu bieten, erklärte Hanna Geyer. Ihre Schüler waren unterdessen in ihren regulären Unterricht zurückgekehrt – bis auf Jasmin, die unbedingt den Besuch der Gymnasiasten weiter miterleben wollte. Sie machte den Gästen vor, wie sie sich mit den Lehrern ohne Worte durch Gebärden verständigt.
Der Kontakt zwischen den beiden Schulen ist vor rund 20 Jahren durch Sozialpraktika der Andreaner in der Diakonie Himmelsthür entstanden. Schon mehrfach haben Musikklassen eine Andacht in der Elisabethkirche gestaltet. „Wenn ihr mal ein Publikum braucht, seid ihr hier immer willkommen“, lud Ulrike von Hoeren die Schüler zu weiteren Besuchen ein.
Text und Fotos: Kultur & Kommunikation (wib)