
Sinnliche Zeitreisen ins Mittelalter und zu den Neandertalern in der Luise-Scheppler-Schule
In einem Klassenraum versuchen ein Schüler und ein Lehrer gemeinsam, mit Holzstab und Schnur Feuer zu machen. Nebenan dröhnt eine Holztrommel im 4/4-Rhythmus, eine Etage darunter werden Sonnenblumenkerne eingepflanzt, und ein paar Schritte weiter im schuleigenen Biotop entsteht ein Mini-Hochmoor.
„Je intensiver die Eindrücke sind, desto stärker kommen sie bei den Schülern an“, sagt Hanna Geyer, Leiterin der Luise-Scheppler-Schule in der Diakonie Himmelsthür. Dieser pädagogische Grundsatz lässt sich beim „Tag des Miteinanders“ unmittelbar nachvollziehen.
Die ganze Schule war auf den Beinen, viele Besucher waren gekommen, denn es gab die Ergebnisse von zwei ereignisreichen Projektwochen zu bestaunen. „Wir machen eine Zeitreise“, hieß das Oberthema in der Förderschule für Kinder und Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen. Diese Zeitreisen führten kreuz und quer durch die Menschheitsgeschichte. Manche Projektgruppen mussten nur wenige Jahrzehnte überbrücken, um alte Schlager und Pophits nachzuspielen und zu singen oder in die Kultur der Blumenkinder Ende der 60er Jahre einzutauchen.
Große Anziehungskraft hatte auch das Mittelalter: Mehrere Teams widmeten sich den verschiedenen Aspekten dieser Zeit – um Ritter ging es dabei ausnahmsweise so gut wie gar nicht. Statt dessen übten die sechs- bis 20-jährigen Schülerinnen und Schüler, Brot im Steinofen zu backen, Butter zu schütteln, Kräuter zu trocknen oder aus Leder schlichte Schuhe zu nähen. Die begeisterte Klassenleiterin Hannelore Schäfer war nur mit einem Punkt unzufrieden: „Die 14 Tage waren viel zu schnell um.“
Die meisten Gruppen machten ähnliche Erfahrungen, so auch die Schüler, die sich mit der Steinzeit und den Neandertalern befassten. In ihren Teams fertigten sie unter anderem Steinkeulen an, mahlten mit einem runden Stein Weizenkörner zu Mehl, schufen ihr eigenes Mammutspiel und verbrachten sogar eine Nacht unter freiem Himmel. Das Lager bestand aus Laub und Stroh, mehr hatten die Neandertaler ja auch nicht, wenn sie unterwegs waren. Und womit haben sich die Schüler zugedeckt? „Da haben wir mal ein Auge zugedrückt und Schlafsäcke genommen“, verriet Andreas Fuhrmann aus der Oberstufe.
Bewundernde Blicke zog das neue Hochmoor im Schulbiotop auf sich. Unter der Leitung ihres Lehrers Jörg-Michael Andreas hatten die Schüler schon im vorigen Jahr damit begonnen, eine Grube auszuheben und Wälle für die Randbepflanzung anzuhäufen. Jetzt wurde die Mulde mit Folie ausgelegt – „weil wir hier ja keinen Ton- oder Lehmboden haben“ –, mit Wasser und altem Holz gefüllt. Bald soll das Becken mit Moorschlamm gefüllt und an den Rändern mit Wollgras, Binsen, Schilf, Schwertlilien und anderen typischen Moorgewächsen bepflanzt werden.
Auch in der Moorgruppe lag der Schwerpunkt im praktischen Anfassen: „Wenn es über die Hände geht, lernen die Schüler schneller“, beschrieb Hanna Geyer die Unterrichtsphilosophie, die nicht nur während der Projektwochen gilt. Die Schulleiterin: „Lernen durch Be-Greifen im wahrsten Sinne des Wortes: Das ist das Grundprinzip unserer Schule.“
Text & Fotos: Kultur & Kommunikation (ran)