Bischof Dr. Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, nahm in seinem Festvortrag beim Freundesmahl der Diakonischen Werke Himmelsthür (dwh) zu den wichtigen Fragen der Gegenwart Stellung.
Zuvor hatte Walter Meyer-Roscher, Vorsitzender des Vereins Freunde der Diakonischen Werke Himmelsthür, die 300 Gäste in der festlich geschmückten Ernst-Kipker-Halle in Hildesheim-Sorsum begrüßt. Der Freundeverein hat das „Sozial-Mahl“ bereits zum 21. Mal ausgerichtet. Der Erlös – im vorigen Jahr mehr als 7000 Euro – kommt den geistig behinderten Bewohnern der Diakonischen Werke zugute.
„Religion ist heilbar“ – diesen Schriftzug hatte Walter Meyer-Roscher auf dem T-Shirt eines Punkers entdeckt. „Diese Art von Heilung würde unsere Welt bestimmt nicht menschlicher machen“, sagte der ehemalige Landessuperintendent. Im Gegenteil: Je mehr Gott und Glauben in den Hintergrund träten, desto mehr würden die Menschen auf den Geldwert ihrer Arbeitsleistung reduziert. Die Gesellschaft, knüpfte dwh-Direktor Ulrich Stoebe an, brauche gerade das Gegenteil: Eine bessere und gerechtere soziale Teilhabe aller – und besonders auch behinderter Menschen.
Nach musikalischen Darbietungen von Schülern des Gymnasiums Andreanum und des dwh-Bewohnerchors war das Areal, das Bischof Huber bestellen würde, somit klar umrissen: „Zukunft gestalten – Erwartungen an Religion und Glauben“. „Das Vertrauen auf Gott ist kein Freibrief für Faulheit“, stellte der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche zunächst klar. Er forderte zu einer aktiven Zukunftsgestaltung auf und zitierte Dietrich Bonhoeffer, der Christen als Menschen charakterisiert hatte, die beten, Gerechtes tun und auf Gottes Zeit warten.
Die „Engführung“ auf die angeblich vorurteilslose Vernunft habe die Gesellschaft in eine Sackgasse geführt, sagte Huber. Ein rein Wirtschafts- und Konsum-orientiertes Leben werde als sinnleer und unerbittlich empfunden. Deshalb wendeten sich die Menschen wieder zunehmend der Religion und dem Gebet zu. Die „Kirche der Freiheit auf dem Weg in die Zukunft“ biete „Orientierung an der Wirklichkeit Gottes“, die Talsohle sei durchschritten.
Gerade in der Auseinandersetzung mit dem Islam sei es wichtig, den eigenen Standpunkt klar zu definieren. Aber auch beim Einsatz für eine familiäre Gemeinschaft (die es auch ohne Kinder gebe), im Umgang mit dem globalen Klimawandel oder in der Stellungnahme gegen die wachsende Ungerechtigkeit bei der Vermögensverteilung in Deutschland zeige sich gerechtes Handeln, führte Bischof Wolfgang Huber aus.
Bonhoeffers Wort, man solle „auf Gottes Zeit warten“, interpretierte Huber schließlich so, dass die Menschen nicht alles in Anspruch nehmen sollten, was ihnen heute zur Verfügung stehe. An die kommenden Generationen denken, „das Machbare unterscheiden von dem, was wir annehmen dürfen“: Das sei ein Kennzeichen christlicher Grundhaltung. Das Publikum pflichtete mit starkem Applaus bei.