Diakonie Himmelsthür

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10.11.2007

Eine Auszeit für die Eltern

Rouven Seemann

Elze/Osterwald. Rouven Seemann sitzt im Gruppenraum des Emil-Isermeyer-Hauses und macht Musik. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein kleines Keyboard. „Ich mache Techno“, ruft er fröhlich den Besuchern entgegen. Rouven Seemann ist schwer mehrfach behindert und sitzt im Rollstuhl. Sehen kann der 26-Jährige seinen Besuch zwar nicht, aber er freut sich, neue Stimmen zu hören. 

Normalerweise lebt Rouven Seemann bei seinen Eltern in Elze und besucht eine Tagesfördergruppe der Lebenshilfe. Die letzten zwei Wochen aber war er Gast im Emil-Isermeyer-Haus, einem Wohnheim für geistig behinderte Menschen in Osterwald. Denn einmal im Jahr gönnen sich seine Eltern eine Auszeit und verreisen. „Wenn man mit Rouven in den Urlaub fährt, hat man selbst keine Erholung“, sagt seine Mutter Christel Seemann. Kein einziger Reiseveranstalter habe eine Pflegehilfe für behinderte Menschen im Angebot. 

Weil Familien, die kranke, behinderte oder alte Angehörige zu Hause pflegen, Urlaub dringend benötigen, hat der Gesetzgeber die so genannte „Verhinderungspflege“ eingeführt. Bis zu 28 Tage im Jahr werden Gastaufenthalte pflegebedürftiger Menschen in professionellen Einrichtungen wie der Diakonie Himmelsthür bezuschusst. „Behinderte Menschen kommen zu uns in die Wohngruppen und werden in den Tagesablauf integriert werden“, erklärt Silke Brönnecke vom Belegungsmanagement der Diakonie Himmelsthür.

Rouven Seemann Rouven Seemann hat sich schnell in der Osterwalder Wohngruppe eingelebt. „Unsere Bewohner haben ihn schon richtig ins Herz geschlossen“, sagt Wohngruppenleiter Lutz Pape. Auch Rouvens Lieblingsbeschäftigung ist  kein Problem: Er hört gern laute Musik, besonders von der Band Scooter.

Vormittags besucht er die Tagesförderung im Haus. „Wir gehen im Tagesförderbereich auf jeden Menschen individuell ein. Wir möchten hier vor allem die Wahrnehmung fördern. Dies geschieht durch Angebote, die alle Sinnesbereiche ansprechen, zum Beispiel, indem die Bewohner verschiedene Aromen riechen oder unterschiedlicher Materialien ertasten“, erklärt Lutz Pape. Spielerisch lernen die Bewohner, sich in der Welt zurecht zu finden. Rouven Seemann mag vor allem die Spielzeugautos, am meisten einen Porsche. Stolz hält er ihn in der Hand und streicht mit seinen Fingern immer wieder über die Oberfläche.
 
„Man darf die Verhinderungspflege keinesfalls als ein Abschieben der behinderten Menschen wahrnehmen. Die Pflege eines behinderten Angehörigen kostet viel körperliche und psychische Kraft. Die Eltern brauchen auch einmal Zeit um zu regenerieren“, so Silke Brönnecke. „Wir beraten die Eltern oder gesetzlichen Betreuer, dann können sie gemeinsam mit ihrem Kind oder Betreuten entscheiden, welcher Standort und welche Wohngruppe geeignet ist. Wir helfen gerne allen, die zu uns kommen - leicht geistig, aber auch für schwerst mehrfach beeinträchtigte Menschen.“ Bei den Pflegekassen und in Ergänzung bei den zuständigen Trägern der Eingliederungshilfe kann man beantragen, dass sie die Kosten dafür übernehmen.

Man merkt Rouven Seemann an, dass er sich im Emil-Isermeyer-Haus wohlfühlt. Trotzdem freut er sich darauf, wieder nach Hause zu kommen – und ganz besonders auf seinen Hund Yellow und die Spaziergänge mit seiner Mutter.

Wer an weiteren Informationen zum Thema Verhinderungspflege interessiert ist, kann sich unter der Telefonnummer 05121/604-440 an Silke Brönnecke im Belegungsmanagement der Diakonie Himmelsthür wenden.


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