Diakonie Himmelsthür

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26.05.2010

Angekommen in der Mitte der Gesellschaft

Hahn, Katze, Hund und Esel: Frei nach den Gebrüdern Grimm haben die Bewohner des Hauses Micha für die Eröffnungsfeier eine kleine Märchen-Aufführung einstudiert, in der es um eine Reise nach Emmerke geht.

Die Diakonie Himmelsthür weiht ihr neues Haus Micha für Kinder und Jugendliche ein

Emmerke. Für 29 Kinder und Jugendliche mit Behinderung hat vor einiger Zeit ein ganz neuer Lebensabschnitt begonnen. Sie sind im Winter von der Zentraleinrichtung der Diakonie Himmelsthür in Sorsum nach Emmerke gezogen - ins Haus Micha, das am Samstag nun feierlich eingeweiht wurde.

Manuel Mars ist zufrieden in seinem neuen Zuhause. „Hier habe ich mehr Platz zum Spielen“, freut sich der 14-Jährige, der vor einigen Monaten auf eigenen Wunsch in das neue Wohnhaus gezogen ist. Denn nicht nur die große Wiese, die zu dem Grundstück gehört, ist ein Pluspunkt. Die jungen Menschen, die von 20 Mitarbeitern betreut werden, können hier viel familiärer als am großen Zentralstandort leben - und sind längst nicht so abgeschieden wie auf dem Hügel in Sorsum. „Wir sind jetzt mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagte Diakonie-Regionalgeschäftsführer Burghard Guschel. Das gilt auch ganz praktisch: Die Bewohner von Haus Micha kaufen in den Emmerker Geschäften ein und haben schon erste Kontakte zu den örtlichen Vereinen geknüpft. „Alle werden sich auf jeden Fall in das Dorfleben einbringen“, sagte Guschel.

Darüber freut sich besonders Emmerkes Ortsbürgermeister Josef-Theodor Möller (CDU), der die Bewohner und die Mitarbeiter im Ort willkommen hieß: „Werden Sie bei uns heimisch, fühlen Sie sich bei uns wohl.“ Möller appellierte an seine Mitbürger, auf die Neu-Emmerker zuzugehen: „Jeder ist aufgerufen, das notwendige Verständnis aufzubringen und Hilfe anzubieten“. Allerdings hat der Ortsbürgermeister nach eigenen Angaben keine Bedenken, dass das Zusammenleben gut funktionieren wird. Schließlich haben im heutigen Haus Micha bereits von 1998 bis 2009 behinderte Menschen der privaten Einrichtung Lindenhof gelebt, die inzwischen nach Hildesheim umgezogen ist.

Die meisten der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 22 Jahren, die jetzt im Haus Micha ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben, besuchen die Luise-Scheppler-Förderschule in Sorsum, einige auch das Förderzentrum Bockfeld. In der Zukunft soll aber auch die Begegnungen zwischen den Bewohnern und den Emmerkern vor Ort weiter gefördert werden, wie Burghard Guschel ankündigte. So wurde in einem Nebengebäude bereits ein Raum mit Billard- und Kickertischen, Heimtrainern und Tischtennisplatten eingerichtet, der, zusammen mit einem kleinen Café, Begegnungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Emmerkern möglich macht.

Die Diakonie Himmelsthür hat die Räumlichkeiten des Hauses Micha vor dem Einzug komplett umgebaut. In jeder Etage gibt es nun eine Wohnküche und einen Aufenthaltsraum mit Computer und Fernseher. Bisherige Doppelzimmer wurden zum Teil in Einzelzimmer umgewandelt, sowie altersgerecht und komfortabel eingerichtet. Auch die sanitären Einrichtungen sind vollständig erneuert worden, so dass sie nun auch von Rollstuhlfahrern problemlos genutzt werden können. „Es hat nicht mehr den stationären Charakter wie in Sorsum, sondern ist viel wohnlicher“, erklärt Regionalgeschäftsführer Guschel. Die 29 Plätze in Emmerke waren deshalb auch schnell belegt.

„Der Abschied aus Sorsum ist den Bewohnern nicht schwer gefallen“, bestätigt Wohnbereichsleiterin Eveline Rudnick und zeigt sich zufrieden. Schließlich ist der Umzug nach Emmerke Teil einer neuen Strategie der Diakonie Himmelsthür: In Zukunft sollen behinderte Menschen verstärkt in kleine Wohngruppen oder eigene Wohnungen ziehen. Mit der Eröffnung des Hauses Micha ist einer der ersten Schritte dazu getan.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation


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